Wie oft fällt wohl im Laufshop der Satz: "Ich brauche einen Laufschuh, der sehr gut dämpft." ?
Dämpfung - was ist das eigentlich? Alle verwenden diesen physikalischen Begriff. Die meisten verwenden ihn - völlig unphysikalisch
- als "angenehmes Gefühl beim Aufsetzen". Doch die exakte Definition der
Dämpfung im Laufschuh bedeutet: Vernichtung von Bewegungsenergie (durch Umwandlung in Wärme).
Wenn die im Boden eines Laufschuhs eingebauten Dämpfungselemente die vom Läufer erzeugte Bewegungsenergie
vernichten, müsste doch die Antwort lauten: "Keine Dämpfung". Noch energiesparender wäre es, wie der Marathon-
Olympiasieger von Rom 1960, ABBEBE BIKILA, in 2:15 h barfuß zu laufen, denn dann spart der Läufer, wie NIGG [4,5]
nachgewiesen hat, 5% Energie. - Diese Forderung würde nicht nur den Aufschrei der gesamten Sportschuhindustrie nach
sich ziehen, sie ist allein schon aufgrund der Klimabedingungen bei uns in Mitteleuropa nicht zu realisieren.
Die Forderung hinsichtlich des Dämpfungsveralten eines Laufschuhs lautet deshalb: "So wenig wie möglich, nur so
viel wie unbedingt notwendig!" Zum Verständnis dieser Forderung werden im Folgenden die Funktion eines Muskels,
die Aufgaben des Laufschuhs und die gegenseitige Beeinflussung erläutert [3]. Abb. 1: Muskeldehnung und -kontraktion
Die Funktion des Muskels ist im folgenden Kasten in sehr vereinfachter Form dargestellt.
 Abb. 1: Muskeldehnung und -kontraktion
A: Der Muskel befindet sich im Ruhezustand.
Kein Kontakt zwischen dem
Myosin (symbolisiert durch die Figuren)
und den (gelben) Aktinfäden. In dieser
Phase kann der Muskel durch seinen
Gegenspieler, den Antagonisten, gedehnt
werden. Hierbei handelt es sich um eine
so genannte plastische Dehnung, d. h.,
das Myosin und die Aktinfäden im
Sarkomer des Muskels gleiten auseinander
(Dehnung des verkürzten Muskels).
B: Durch die elektrische Brückenbildung
zwischen dem Myosin und den Aktinfäden
(die Männer greifen zu) ist der
Muskel gespannt (statische Haltekraft).
Dieser Spannungsaufbau ist gleichzeitig
die Voraussetzung für C und D.
C: Erhält der im Bild B vorgespannte
Muskel einen weiteren, vom Gehirn ausgehenden
elektrischen Impuls, kommt es
zur Kontraktion (das Myosin, in Form der
Männer dargestellt, zieht die Aktinfäden
zu sich hin), durch die der Muskel eine
Arbeitsleistung erbringt, z.B. das Heben
des Oberschenkels für den nächsten
Schritt.
D: Beim Laufen z.B. muss die Beinmuskulatur
vorgespannt werden (Bild B),
um das Körpergewicht in der Aufsetzphase
abfangen zu können. In der abfedernden
Vorwärtsbewegung wird der vorgespannte
Muskel wie eine Feder durch das auf ihn
einwirkende Körpergewicht elastisch
gedehnt. Dadurch erhält er ein zusätzliches
Kraftpotenzial. Diese elastische Kraftkomponente
kann in der Abdrucksphase
freigesetzt und für den nächsten Schritt
genutzt werden.
Damit dieses Potenzial in der Aufsetzphase
optimal im Ober- und Unterschenkel entstehen
kann, muss der Untergrund, d.h. der
Laufschuhboden, ausreichend fest sein. Ist
er zu weich, wird der Spannungsaufbau
vermindert oder sogar verhindert. Die körpereigene
Muskelelastizität wird von der
"guten" Dämpfung des Schuhbodens vernichtet.
Nach Berechnungen von NIGG
[4,5] können dadurch Energieverlust bis zu
25 % entstehen.
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Die Aufgaben des Laufschuhs wurden
bereits 1981 vom Autor in der unten angegebenen
Rangfolge definiert (später wurden
sie mit viel Werbeaufwand von einem
bedeutenden Schuhhersteller in geänderter
Rangfolge übernommen).
Der Schuh muss:
- den Fuß einwandfrei führen;
- den (Knick-)Fuß stützen;
- den Aufsetzstoß dämpfen.
Der Schuh darf nicht:
- die Abrollbewegung und die Abdruckkraftdes Fußes einschränken.
Der Schuh soll:
- den Fuß gegen durchdrückende Steine, Schmutz und Feuchtigkeit schützen.
Dämpfung steht also erst an dritter Stelle.
Fußführung und Stützfunktion sind für die
Gesundheit des Läufers von größerer
Bedeutung als Dämpfung (s. a. Stützfunktion
contra Schuhgewicht). Warum?
 Abb. 2: Abrollweg des Fußes beim Aufsetzen mit der Ferse |
Der Schuh übernimmt vom ersten
Bodenkontakt an die Führung des Fußes.
Er steuert damit vom ersten Aufsetzen
bis zum letzten Abstoß in entscheidender
Weise die Abrollbewegung des Fußes.
Eine korrekte Fußführung ist die zwingende
Voraussetzung für eine einwandfreie
Abrollbewegung. Dazu sind u.a.
gute Passform, einwandfreier Fersensitz
(Fersenfassung) und eine korrekte
Schnürung notwendig. - Der gute Schuh
"führt" den Fuß, der schlechte "verführt"
ihn!
Die meisten Läufer setzen mit der
Außenkante der Ferse auf (Abbildung 2).
Dann kippt der Fuß nach innen in die
Stützphase. Je langsamer dies erfolgt,
umso geringer sind die auf den Körper einwirkenden
Stoßbelastungen. Dies wird
sowohl durch den Aufbau des Schuhbodens
als auch durch das Lauftempo
beeinflusst (s. Hinweis zu optimalem
Trainingstempo).
Die Kippbewegung nach innen wird als
"Pronation" bezeichnet. Pronationswinkel
von 0-5° sind "normal" (Abbildung 3 links:
im Stand barfuß). Bei Winkeln von 3-5°
ergibt sich eine gute Eigendämpfung des
Fußes gegen die Stoßbelastung. Bei größeren
Winkeln wird von Überpronation bzw.
Knickfußstellung gesprochen, die auf Dauer
zu Überlastungen in den Knie- und
Hüftgelenken führen.
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Eine Überpronation kann durch die
Stützkeile, die in den Stabilmodellen
eingebaut sind, kompensiert werden.
Die Wahl eines gut stützenden Laufschuhs
hat gegenüber einer stützenden
Einlage den Vorteil, dass der gesamte
Schuhaufbau auf die erhöhte Stützfunktion
abgestimmt ist. Stützende
Einlagen setzen einen festen Schuhboden
voraus, bei einem weichen
Boden sind sie nutzlos! - Es sollte bei
der Wahl des Schuhs beachtet werden,
dass auch hier die "optimale" und
nicht die "maximale" Stützung das
Auswahlkriterium sein muss.
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Bei der Bewertung des Dämpfungsverhaltens
eines Laufschuhs müssen
folgende Gesichtspunkte beachtet
werden:
1. die Richtung der Krafteinwirkung
während der gesamten Abrollphase;
2. die Beeinflussung der körpereigenen
Elastizität durch das Dämpfungsverhalten
des Schuhs;
3. die Laufgeschwindigkeit und das
Gewicht des Läufers.

Abb. 3: Links: Im Stand barfuß mit normaler Pronation (5°). Mitte: Sehr gute
Stützfunktion, auch bei dynamischer Belastung. Rechts: Schuhbedingte Überpronation
(15°) bei dynamischer Belastung.
Beim menschlichen Körper muss im
Gegensatz zum Laufschuh exakt zwischen
der
- Stoßbelastung in der Aufsetzphase im Rückfuß (Stoßrichtung vom Boden in den Körper) und den
- Abdruckkräften in der Abdruckphase im Vorfuß (Druckrichtung vom Körper auf den Boden) unterschieden werden (s. Abbildung 4).
Die Stoßbelastung in der Aufsetzphase,
d.h. diejenige, die auf den Körper einwirkt,
gilt es gezielt zu dämpfen. Die
Laufschuhhersteller verwenden dazu die
verschiedensten Dämpfungssysteme
(Luft-, Gel-, Wabenkissen etc.).
Die Stoßbelastung, als Stoß vom Boden
auf den Körper, baut sich, wie im Beispiel
eines Belastungsmodells (Abbildung 4)
von CAVANAGH [1] dargestellt ist, innerhalb
von 32 ms als Kraftspitze auf. Je
kürzer dieser Zeitraum (gestrichelt in
Abbildung 2) ist, umso geringer, je länger,
umso stärker wirkt die Dämpfung des
Schuhs.
Die nachfolgende Standphase ist, von der
Kraftrichtung aus betrachtet, die neutrale
Phase. Sie wird nach gut einem Drittel
der gesamten Bodenkontaktzeit erreicht.
In der dritten Phase erfolgt der Übergang
vom Rückfuß in den Vorfuß. Jetzt wirkt die
Kraft vom Körper auf den Boden und
erreicht nach 416 ms ihr Maximum im
Ballenbereich. Entscheidend für das
Lauftempo ist, dass diese Kraft ausschließlich
in einen Impuls für den nächsten
Laufschritt umgesetzt werden kann
und nicht durch Dämpfungselemente im
Vorfußbodenbereich des Schuhs vermindert
wird.
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Abb. 4: Krafteinwirkung:
Innerhalb von 32 ms baut sich in
der Landephase eine Kraftspitze im Rückfuß auf, die als
Stoß vom Boden aus auf den Körper einwirkt. Je kürzer dieser
Zeitraum, umso härter ist der Schuh, je langsamer, umso
besser die Dämpfung. Danach erfolgt eine Verlagerung vom
Rückfuß in den Vorfuß bei einem gleichzeitigen Wechsel der
Kraftrichtung. Nach 416 ms erreicht die Abdruckkraft im
Ballenbereich ihr Maximum. Entscheidend für das Lauftempo
ist, dass diese Kraft ausschließlich in einen Impuls
für den nächsten Laufschritt umgesetzt werden kann und
nicht durch Dämpfungselemente im Vorfußbodenbereich
des Schuhs vermindert wird.
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Einfluss der Dämpfung
auf die körpereigene
Muskelelastizität
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In der Aufsetzphase wirkt die Körpermasse
als äußere Kraft auf die vorgespannte
Ober- und Unterschenkelmuskulatur ein
(s. auch nebenstehender Kasten). Sie baut
dadurch ein körpereigenes Elastizitätspotenzial
auf, das beim Strecken des
Beines in der Abdruckphase freigegeben
und damit aktiv genutzt werden kann.
Damit dieses Potenzial in der Aufsetzphase
optimal im Ober- und Unterschenkel
entstehen kann, muss der Untergrund,
d.h. der Laufschuhboden, ausreichend
fest sein. Sind die im Aufsetzbereich des
Schuhbodens verwendeten Dämpfungselemente
zu weich (Abbildung 5), wird
der Spannungsaufbau vermindert oder
sogar verhindert. D.h., die körpereigene
Muskelelastizität wird von der "guten"
Dämpfung des Schuhbodens vernichtet.
Nach Berechnungen von NIGG [4, 5]
können dadurch Energieverluste bis zu
25 % entstehen.
Abb. 5: Mit diesen Fotos warb ein
Hersteller für das gute Dämpfungsverhalten
eines seiner Modelle.
Entscheidend für das Lauftempo ist,
dass die gesamte Abdruckkraft in einen
Impuls für den nächsten Laufschritt
umgesetzt werden kann und nicht durch
Dämpfungselemente im Vorfußbodenbereich
des Schuhs vermindert wird.
Abdruckkräfte zu dämpfen, d.h. sie zu
vermindern, ist aus physikalischer Sicht
Unsinn, es kostet den Läufer Kraft und
Zeit! Eine wissenschaftliche Studie, die
aus Wettbewerbsgründen nicht zitiert
werden kann, hat das sehr detailliert
nachgewiesen. Dennoch baut eine ganze
Branche aus verkaufsfördernden Gründen
genau dort Luft-, Gel-, Wabenkissen
etc. ein.
Das Argument, dass solche Dämpfungselemente
für Vor- bzw. Mittelfußläufer
gut wären, ist ebenfalls nicht haltbar.
Diese benötigen so etwas nicht, da
sie aufgrund der anderen biomechanischen
Hebelgesetze beim Aufsetzen über
ausreichende körpereigene Dämpfungsmechanismen
verfügen.
Zusätzlich kommt es durch die eingebauten
Dämpfungselemente im Vorfußbereich
zu undefinierten Bodenverhältnissen.
Wie aus der Abbildung 6 zu entnehmen
ist, liegt der Hauptabdruckspunkt,
d.h. der Großzehenballen, genau
auf der Kante zwischen Einlegeelement
und ummantelnder Sohle, die in vielen
Fällen sogar weicher ist als das Einlageteil.
Dadurch kommt es zu einer Kippbelastung
im Vorfußgewölbe. Der zweite Auflagepunkt,
das Kleinzehengrundgelenk,
liegt entweder ebenfalls auf der Kante
oder sogar außerhalb des Dämpfungselementes.
Der mittlere Teil soll als normal
ausgebildetes Quergewölbe eigentlich
"hohl" liegen - er bedarf der Dämpfung
nicht. Die meisten Läufer haben aber
leicht bis stark ausgebildete Spreizfüße,
die genau in diesem Bereich eine feste
Unterlage benötigen. Einlagenträger
mit Spreizfußpelotten sollten das berücksichtigen,
um schmerzhafte Fehlbelastungen
zu vermeiden.
Die Dämpfungselemente im Vorfußbereich
sind aufgrund der Werbung für "viel
Dämpfung" zu einer Verkaufshilfe geworden,
deshalb gibt es zzt. nur wenige
Modelle, die dort keine Elemente haben.
In diesem Zusammenhang soll auch auf
den markigen Werbespruch "Energy
Return" kurz eingegangen werden. Eine
Rückgabe der Stoßenergie, die der Körper
beim Aufsetzen in den Aufsetzbereich
des Schuhs abgibt, müsste im Schuhboden
nach vorne in den Abdruckbereich
geleitet werden, um wirksam zu sein. Für
eine derartige Impulsweiterleitung gibt
es bisher keine technische Lösung. Der
Schuhboden ist als Dämpfungselement
konstruiert und bewirkt das Gegenteil!
Abb. 6: Auswirkungen von Dämpfungselementen im Vorfußbereich eines Schuhs auf den Vorfuß.
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Laufgeschwindigkeit und
Körpergewicht des Läufers.
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Die Läufer belasten den Schuh beim Aufsetzen
mit einer Energie (E), die sich aus
ihrem Körpergewicht (M) und ihrem
Bewegungstempo (v) nach folgender
Formel ergibt:
(M = Körpergewicht in kg, v = Lauftempo in m/s)
Aus dieser Formel folgt für das
- Körpergewicht (M): Das Gewicht erhöht die Belastung linear, d. h., doppeltes Gewicht erzeugt doppelte Belastung.
- Lauftempo (v): Die Belastung des Laufschuhs steigt mit dem Quadrat der Geschwindigkeit an. D.h., eine Verdoppelung
des Tempos vervierfacht die Belastung!
Der Autor differenziert die Läufer wie
folgt:
- langsame Läufer: langsamer als 10 km/h (> 2,8 m/s),
- schnelle Läufer: schneller als 10 km/h (< 2,8 m/s)
- leichte Läufer: < 65 kg,
- schwere Läufer: > 80 kg
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Daraus lässt sich ableiten:
Die Bedeutung der Laufgeschwindigkeit
wird fast immer unterschätzt.
Auch der leichte Läufer, der ein hohes
Tempo läuft, braucht einen Laufschuh
mit einem festen Boden. Hohen Belastungen
muss eine kräftige Feder (fester
Boden) entgegengesetzt werden, geringe
Belastungen müssen weicher abgefedert
werden.
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DREI BEISPIELE:
Anfänger: 50 kg, Lauftempo 5 km/h, Belastungsfaktor: 1
Anfänger: 100 kg, Lauftempo 5 km/h, Belastungsfaktor: 2
Trainierter: 50 kg, Lauftempo 15 km/h, Belastungsfaktor: 9
Der langsam laufende Anfänger belastet,
auch wenn er übergewichtig ist, einen
Laufschuh wegen seines langsameren
Lauftempos wesentlich geringer als der
Trainierte (s. oben). Je höher das Lauftempo
und je höher das Gewicht, desto
fester bzw. stabiler (härter) muss der
Schuh sein. Beim Kauf im Geschäft darf
er sich nicht so angenehm weich anfühlen,
wie es das Gefühl beim Stehen
oder Gehen suggerieren will oder die
Werbung empfiehlt.
Die Anforderung an die Dämpfungseigenschaft
heißt heute deshalb: "Keine
Energievernichtung durch den Schuh",
damit das kinetische Energiepotenzial
der Muskulatur voll genutzt werden kann
und nicht zu 20 bis 30 % pro Schritt verloren
geht, denn auch hier sind vorzeitige
Ermüdung und schlechte Wettkampfzeiten
die Folge.
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Stützfunktion contra Schuhgewicht
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Bereits oben wurde ausgeführt, dass die
Stützfunktion für den Läufer wichtiger
sei als die Dämpfung. Für Läufer, die zur
Überpronation neigen, ist eine gute
Stützfunktion eine zwingende Voraussetzung
zur Erzielung von optimalen
Leistungen. Bei unzureichender Stützfunktion
geht nicht nur die eigene Muskelelastizität
verloren, sondern es kommt durch
die Überpronation zum Absinken des
Körperschwerpunktes um 0,5 bis 1,0 cm
(Abbildung 7). In der nachfolgenden
Abdruckphase muss der Körper dementsprechend
mehr angehoben werden. Das
kostet Kraft und Zeit.
NIGG [4,5] hat untersucht, wie viel
Energie das Tragen eines Schuhs kostet:
- im Optimalfall mindestens 5 %,
- in ungünstigen Fällen bis zu 30 %.
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Die Verluste bzw. der Energiemehrbedarf
für den Schuh setzt sich wie folgt
zusammen:
Hebearbeit für den Schuh: 0,1% pro 100-g-Schuhgewicht
Hebearbeit für den Körperschwerpunkt: 1% pro 5-mm-Absinken
Beschleunigungsarbeit des Schuhs: 0,5 bis 1,0%
Stabilisierungsarbeit der Gelenke: 1%
Elastische/viskoelastische Verluste (optimal): 2%
Elastische/viskoelastische Verluste (maximal): 25%
Stabilmodelle sind selten mehr als 50 g
schwerer als die weniger stützenden
Modelle. Die dafür zusätzlich benötigte
Hebearbeit liegt unter 0,1% der Gesamtenergie.
Sinkt dagegen der Körperschwerpunkt
z.B. um 5 mm ab, wird die
10-fache Energie benötigt, um ihn wieder
anzuheben (Abbildung 7). Dies müssen
Läufer, die stark pronieren, besonders
beachten.
Die tägliche Praxis zeigt, dass viele von
ihnen in ihren zu weichen (Wettkampf-)
Schuhen 1 cm und mehr absinken. Sie
müssen durch ihre falsche Schuhwahl
Leistungsverluste hinnehmen. Ein Laufschuh
mit ausreichender Stabilität wäre
nur geringfügig schwerer, verhindert aber
durch seinen Aufbau eine frühzeitige
muskuläre Ermüdung. Der Lex-Händler
weiß um diese Zusammenhänge und wird
die optimale Kombination von Stabilität
und Dynamik empfehlen.

Abb. 7: 5 mm Absinken des Körperschwerpunktes durch
eine schuhbedingte Überpronation verbraucht 0,5-1% mehr Energie - das führt zu
vorzeitiger Ermüdung und kostet im Wettkampf Zeit.
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Körpereigene Dämpfungsmechanismen
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Die beim Aufsetzen des Fußes auf den Boden
entstehenden Stöße auf die Gelenke
können auf zwei Wegen über körpereigene
Dämpfungsmechanismen abgefangen werden,
und zwar durch:
1. DIE MUSKELN;
2. DIE GELENKE SELBST.
Die Skelettmuskeln haben bekanntlich
die Aufgabe, die Knochen (z.B. Oberschenkel/
Unterschenkel) über ihre Scharniere
(Gelenke) zu bewegen. Das tun sie
paarweise, der eine als Beuger, indem er
sich, wie in Abbildung 1C gezeigt ist,
zusammenzieht. Der zweite Muskel ist in
dieser Phase nahezu spannungsfrei
(elektrisch entkoppelt) und kann plastisch
gedehnt (auseinander gezogen)
werden (Abbildung 1A). Er dient aber
auch als Strecker, um z.B. das abgewinkelte
Bein wieder zu strecken oder in
einem Winkel stabil zu fixieren. Beide
sind, auch wenn das von außen nicht
erkennbar ist, immer dem zu bewegenden
Gelenk parallel geschaltet. In der Aufsetzphase
erwartet der Körper nicht nur den
Aufsetzstoß, sondern er muss auch das
Körpergewicht abfangen und den Körper
stabilisieren, damit er nicht hinfällt. Dazu
spannt er die Muskelpaare vor. Die
Strecker wirken dadurch als Federn, die
beim Abfangen des Aufsetzstoßes elastisch
gedehnt werden (Abbildung 1D) und
die Stoßenergie zur Erhöhung des eigenen
Energiepotenzials nutzen. Der optimale
Arbeitsbereich - so wird auch hier vermutet
- liegt wie beim Herz-Kreislauf-System
ebenfalls im Bereich von 60 bis 80 % der
Maximalkraft des Muskels. D.h., die
höchste Dämpfungswirkung durch die
Muskulatur erhält der Läufer, wenn er
nicht mit maximalem Tempo, sondern
im optimalen Ausdauerbereich von 60
bis 80% trainiert.
Das Gelenk selbst hat mit dem Knorpel
ein eigenes Dämpfungssystem, mit dem
es Stöße abfangen kann (Abbildung 8).
Die Knorpelschicht eines Gelenkes
besteht aus drei Schichten:
- die Knorpeloberfläche;
- ein elastisches kollagenes Zwischengewebe;
- den Knorpelfasern und Knorpelzellen.
Dieser elastische Aufbau, der sich als
Knorpelschicht auf jedem Gelenk befindet,
dient dem Körper als körpereigener
Stoßdämpfer. Durch normale Laufbelastungen
wird er nicht geschädigt. Nach
intensiver mechanischer Abriebsbeanspruchung,
z.B. nach einen Marathon,
benötigt der Knorpel eine Regenerationszeit,
in der er durch Bewegung versorgt,
aber nur submaximal belastet
werden darf. Dem Autor liegen bisher
keine Erkenntnisse vor, wie lange diese
Regeneration dauert, er schlägt deshalb
vor, 4 bis 8 Wochen jede weitere
Maximalbelastung zu vermeiden.
Punktförmige Gelenkbelastungen, z.B.
durch Gelenkfehlstellungen, führen nach
allgemeinen Erkenntnissen auch unabhängig
von läuferischen Aktivitäten zum
Knorpelverschleiß. Besonders empfindlich
ist die Knorpelschicht gegen Schlagbelastungen.
Abb. 8: Elektronenmikroskopaufnahmen zum Knorpelaufbau
Abschlussempfehlung des Autors:
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"Mit einem festen, gut stützenden
Schuh weich laufen, d.h. mit 70 bis
80 % der maximal möglichen Laufgeschwindigkeit
nicht nur das Herz-
Kreislauf-System, sondern auch die
eigene Muskelelastizität optimal
nutzen."
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Carl-Jürgen Diem, Darmstadt
LITERATUR
- CAVANAGH, P.: The Biomechanics of Distance
Running. Human Kinetics Publisher
Champaign, Illinois (1990).
- DIEM, C. J.: Testkriterien für Lauf-(Jogging-
)Schuhe: In: Sportverl. Sportschaden 4/1993,
196-199, Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
- DIEM, C. J.: Grundlagen des Ausdauersports
- Laufen, Meyer & Meyer Verlag, Aachen
(2001).
- NIGG, B.: Biomechanics of Running Shoes.
Human Kinetics Publisher, Champain/Illinois
(1986).
- SEGESSER, B./ B. NIGG: Orthopädische und
biomechanische Konzepte im Sportschuhbau.
In: Sportverl. Sportschaden 7/1993, 150-162.
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